Igel gefunden!

Igel an Vogelfutterstelle - Bild Dr. Gerald Henkel
Igel an Vogelfutterstelle - Bild Dr. Gerald Henkel

 

Obwohl der Igel als Tierart in der Bevölkerung sehr beliebt und gut bekannt ist, wissen Wissenschaftler relativ wenig über seine Bedürfnisse. Der LBV und der Bayerische Rundfunk führen daher ein gemeinsames "Citizen-Science-Projekt".

Melden Sie bis November 2015 jeden gesehen Igel, ob lebendig oder als Straßenopfer, auf der Projekthomepage www.igel-in-bayern.de über die Smartphone-App "Igel in Bayern" melden

http://igel-in-bayern.br.de/

 

Damit Sie Lust zum Mitmachen bekommen, zwei nette Igelgeschichten unseres langjährigen Mitgliedes und Vogelkenners Dr. Gerald Henkel.

 

 

Zwei kleine Igelgeschichten

Igel an Vogelfutterstelle - Bild Dr. Gerald Henkel
Igel an Vogelfutterstelle - Bild Dr. Gerald Henkel

 
Spätsommer 2013:

Im Spätsommer 2013 war ein junger Igel in den ungenutzten, wasserlosen 2 m tiefen Swimmingpool meines Gartens gefallen. Verletzt hatte er sich nicht. Überwiegend im Kopf- und Halsbereich saßen zwischen den Stacheln mit Blut vollgesaugte Zecken. Mit einer schmalen Operationspinzette konnte ich zwischen den Stacheln bis zum Zeckenkopf nach unten kommen und die 12 mm langen Plagegeister herausziehen. Insgesamt waren es 10 Stück. In 10 m Entfernung vom Beckenrand setzte ich ihn unter blühendem Dost ab, wo er nach kurzer Wartezeit verschwand. Am nächsten Tag war er wieder ins Becken gefallen. „Du Dummerchen", dachte ich, „hast du denn nichts gelernt?!" Mit Handschuhen wollte ich ihn an anderer Stelle absetzen und sah wieder viele vollgesaugte Zecken im Kopf- und Halsbereich zwischen den Stacheln. Diesmal konnte ich ihn von 12 Stück befreien.
Mein Vorurteil war ungerecht. Ich dachte darüber nach, wie viele Geschwisterchen es denn noch sein mögen.

Winter 2013/2014:

In den ersten Tagen im Dezember 2013 hatte ich noch viele Gartenarbeiten zu erledigen. Da Schnee für die kommende Nacht gemeldet war, wollte ich fertig werden und habe bei Terrassenlicht noch alles bis 21 Uhr geschafft. Unter der Terrassenlampe sah ich ein kleines längliches Häufchen, das vorher nicht da war. Es war ein nur etwa 17 cm langer Igel, der sich nicht einmal einrollte, als ich bei ihm in Hocke erschrocken ausrief: „Was machst du denn um diese Jahreszeit hier draußen, du solltest doch längst im Winterschlaf sein!" Jetzt erst bemerkte ich den kalten Wind und spürte den feinkörnigen Schnee im Gesicht. Den kleinen Igel konnte ich einfach nicht sich selbst überlassen. Da ich kompostiere und der Verrottungsprozess unter Wärmeentwicklung abläuft, habe ich seitlich in den Komposthaufen ein 40 cm tiefes Loch gegraben, den kleinen Igel hineingesetzt und den Eingang luftdurchlässig mit Herbstlaub verschlossen. Der Komposthaufen blieb den ganzen Winter über verschneit.
An meinen Fütterungsstellen mögen die Weichfresser unter den Vögeln am liebsten mit Sonnenblumenöl getränkte und abgetropfte zarte Haferflocken. Gegen Ende Februar 2014 habe ich mich darüber gewundert, dass die Stelle mit den Haferflocken auf dem Kuchenblech am Boden immer wie abgeschleckt wirkte. Es waren nicht halbverhungerte Katzen aus der Nachbarschaft, sondern ein kleiner Igel wie ich beobachtete, von dem ich einige Teleaufnahmen machen konnte. Am Komposthaufen war der Eingang offen und davor lagen einige braune Blätter. Der Gartenboden war noch gefroren und teilweise mit verharschtem Schnee bedeckt. Der junge Igel war zu früh aus dem Winterschlaf erwacht. Möglicherweise hat ihm die Verrottungstemperatur einen höheren Sonnenstand vorgegaukelt.

Gerald Henkel

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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