Von A wie Amsel bis Z wie Zilpzalp: Viele Vogelstimmen erwandert

Wolfgang Winter (ganz links) kann sich auf jedes Vogelstimmchen einen Reim machen. Am Himmelfahrtstag gab er sein Wissen bei einer Wanderung an der Haidenaab weiter. Bild: Weiß

Den Ruf des Kuckucks kennt jedes Kind, doch wie der Fitis klingt, wissen die Wenigsten. Beide Arten ließen sich bei der Vogelstimmenwanderung vernehmen, zu der die LBV-Kreisgruppe Neustadt/Weiden am Himmelfahrtstag nach Sperlhammer eingeladen hatte. 

15 Naturfreunde fanden sich um 6 Uhr früh bei Sonnenschein und frischen 3 Grad in der kleinen Ortschaft an der Haidenaab ein, um dem Vogelkonzert unter der fachkundigen Führung von Wolfgang Winter zu lauschen. “Es geht ziemlich durcheinander”, stellte der gleich zu Beginn fest, “da ist es schwierig, die einzelnen Stimmen auseinanderzuhalten”. Vom Grundstück des LBV aus setzte der kleine Trupp sich dann entlang des Flüsschens in Bewegung. Die Strecke war mit Bedacht gewählt, da sie am Saum von Wasser, Wiese und Wald gleich mehrere Lebensräume abdeckte.  

 

Der kräftige und melodische Gesang der Amsel ist auch in städtischer Umgebung zu hören und leicht zu erkennen, doch wie klingt der Fitis? Wolfgang Winter machte auf das Stimmchen des kleinen Laubsängers aufmerksam, “er singt ähnlich wie der Buchfink, aber leiser, schüchterner”. Wie der Zilpzalp ruft, lässt schon sein lautmalerischer Name erahnen. “Und das nasale Quatschen da oben ist ein Star, der schimpft jetzt ein bissl mit uns.” 


Foto: V. Bauer
Foto: V. Bauer

Im Stop-and-Go-Modus ging es immer weiter Richtung Etzenricht. Wer ein Fernglas mitgebracht hatte, erspähte den ein oder anderen gefiederten Sänger auch. Manche Szenen ließen sich sogar mit bloßem Auge beobachten, wie der kleine Luftkampf zwischen einem Kolkraben und zwei Rabenkrähen. “Noch vor 25 Jahren hat man Kolkraben allenfalls in den Alpen oder im Bayerischen Wald sehen können”, erklärte Wolfgang Winter. Inzwischen aber seien zahlreiche große Vogelarten in der Fläche wieder als Brutvögel heimisch geworden. “Das liegt daran, dass sie nicht mehr verfolgt werden und schon vor Jahrzehnten die Bejagung eingestellt worden ist”.  

Vogelarten, deren Bestand mit der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen in Zusammenhang steht, würden hingegen weniger, erläuterte Winter. “Die Wiesen werden einfach zu stark bemäht. 

Foto: V. Bauer
Foto: V. Bauer

Wenn bald der Löwenzahn und der Raps verblüht sind, haben wir drei Monate lang eine grüne Wüste”, schilderte er die Situation in drastischen Worten. “Es ist grauenhaft, nur an den Wegrändern blüht noch ein bisschen etwas. Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Hummel, da kriegen Sie Angst.”  

 

Auch aus diesem Grund sei es wichtig, regelmäßig den Vogelbestand zu dokumentieren. Winter berichtete von einem seit rund 20 Jahren laufenden Projekt von LBV und dem Landesamt für Umwelt, bei dem dieselbe Person viermal jährlich zu festen Terminen in derselben Region erfasst, welche Arten dort vorkommen. Diese langfristige Bestandserhebung sei sehr wichtig. “Deshalb möchte ich Sie animieren, jenseits der Freude an der Natur, vielleicht auch an einem Kartierungsprojekt teilzunehmen.” 

Foto: V. Bauer
Foto: V. Bauer

Wer bei der Vogelstimmenwanderung eifrig lauschte, konnte am Vatertag entlang der Haidenaab insgesamt 22 Arten ausmachen: Amsel, Blaumeise, Buchfink, Fitis, Gartenbaumläufer, Gartengrasmücke, Grünspecht, Kleiber, Kohlmeise, Kolkrabe, Kuckuck, Mönchsgrasmücke, Rabenkrähe, Ringeltaube, Rotkehlchen, Schwarzspecht, Singdrossel, Star, Trauerschnäpper, Weidenmeise, Zaunkönig und Zilpzalp ließen sich vernehmen. “Das war sehr ergiebig”, stellte Wolfgang Winter denn auch fest, während die Truppe zum LBV-Grundstück zurückkehrte. Dort erwartete die Frühaufsteher ein üppiges Büffet, liebevoll angerichtet von Verena Bauer, Nicole Merbald und Martina Roder-Weiß, zu dem auch noch andere beigetragen haben. Bei süßen und herzhaften Snacks, Kaffee und Tee ergaben sich noch interessante Gespräche zwischen Naturkennern und –liebhabern.  

 

 

Gabriele Weiß


Verena Bauer, Nicole Merbald und Martina Roder-Weiß hatten auf dem LBV-Grundstück bei Sperlhammer ein üppiges und alle Sinne ansprechendes Frühstücksbüffet für die Teilnehmer der Vogelstimmenwanderung vorbereitet. Die Haidenaab zeigte sich am frühen Morgen von ihrer schönsten Seite.